Einige Eckdaten zum Leben der Wikinger
Der Begriff Wikinger bezeichnet Angehörige von kriegerischen,
zur See fahrenden germanischen Völkern des Nord- und Ostseeraumes in der so genannten Wikingerzeit.
Die Wikinger stellten in Wahrheit nur einen sehr kleinen Teil der skandinavischen Bevölkerung dar.
Dabei können zwei Gruppen unterschieden werden:
Die einen betrieben den Strandraub zeitweise und nur in einem frühen Lebensabschnitt.
Es waren junge Männer, die aus der heimatlichen Gebundenheit an Kult und Sippe ausbrachen und Ruhm,
Reichtum und Abenteuer in der Ferne suchten.
Später ließen sie sich wie ihre Vorfahren nieder und betrieben die in ihrer Gegend übliche Wirtschaft.
Von ihnen berichten die Sagas (Altnordische Literatur) und die Runensteine.
Für die anderen wurde der Strandraub zum einzigen Lebensinhalt.
Ihnen begegnet man in den fränkischen und angelsächsischen Annalen und Chroniken.
Sie kehrten bald nicht mehr in die Heimat zurück,
waren in die heimatliche Gesellschaft nicht mehr integrierbar und wurden dort als Verbrecher bekämpft.
Im Allgemeinen konnte man die Gesellschaft der Wikinger in drei Schichten einteilen:
Die Sklaven:
Unfreie, die durch Raub oder Handel an die Wikinger gerieten.
Auch wenn sie Unfreie waren, so hatten sie Anrecht auf Freizeit und Eigentum.
Sie konnten sich aus eigener Kraft freikaufen und so zu Freigelassenen werden.
Offenbar erging es den Sklaven der Wikinger etwas besser als den Sklaven im Rest Europas,
da jene, die ihre Sklaven schlecht behandelten in schlechtem Ruf standen.
Die Freien:
Sie werden auch Carle (Bauern) oder Huscarle (Hauskerle als Leibwächter eines Jarls) genannt.
Hierbei handelte es sich zumeist um Bauern, welche ihrem Herrn (Jarl) als Krieger zur Verfügung standen.
Sie konnten große Reichtümer ansammeln, doch trotz großen Fleißes und Reichtumes, war es ihnen verwehrt zu herrschen.
Die Adeligen:
Sie wurden auch Jarle (Der engl. Adelstitel des Earl wurde daher abgeleitet) genannt.
Sie waren Adelige von Geburt und konnten teilweise Ihre Herkunft von Odin selbst ableiten.
Die Jarle waren es, welche die Raub- und Handelszüge ausstatteten und finanzierten.
Ein Jarl war Herrscher über eine Siedlung, welche aber auch weit auseinanderliegende Gehöfte umfassen konnte.
Eckdaten der Wikingerzeit
750 n.Chr.:
In Schleswig entstehen die ersten Siedlungsansätze von Haithabu,
dem wichtigsten Handelsknoten Nordeuropas späterer Zeit.
793 n. Chr.:
Der Überfall und die Plünderung des Kloster's Lindisfarne
gilt als Beginn der Wikingerzeit. Allerdings ist die Epoche
der nordgermanischen Völker weit umfangreicher.
um 800 n. Chr.:
Bei Oseberg wird ein Schiffgrab errichtet. Seit seiner Entdeckung 1904
ist das Oseberg Schiff einer der bedeutendsten Funde der Wikingerzeit.
um 850 n. Chr.:
Die Schilderungen von Plünderungen der Wikinger durch anglo-sächsische Mönche
sollte das Bild der Wikinger über 1000 Jahre prägen.
Im Zeitraum von 920 n. Chr. bis 980 n. Chr.:
Über 6000 Wikinger dienen in der Warägergarde von Byzanz.
Jene Elitesoldaten prägen das Bild der Wikinger als Berufskrieger.
Die Waräger waren Schweden, welche in Russland siedelten
und über den Flussweg mit Byzanz handel trieben.
955 n. Chr.:
Die Enkel Alfreds des Grossen erobern das Danelag (Britanien)
nach 77 Jahren von den Schweden zurück.
987 n. Chr.:
Leif Erikson gründet eine Siedlung in Neufundland / Amerika.
1050 n. Chr.:
Haithabu wird grösstenteils zerstört, die Bewohner umgesiedelt.
Der einst wichtigste Handelsknoten Nordeuropas verödet
und gerät in Vergessenheit.
1066 n. Chr.:
Wilhelm der Eroberer erringt in der Schlacht von Hastings den Thron von England
und leitet das Ende der Wikingerzeit ein. Auch für das Ende der Wikingerzeit gilt,
dass diese Epoche eher fließende Übergänge aufwies.